Brücken / Wall // 2010

Sa, 04.09.2010 ab 11:00 Uhr

Sachsenhausen
Webseite

Brückenstraße
60594 Frankfurt am Main
Wegbeschreibung

In der Brückenstraße verwirklichen immer mehr Kreative ihre Geschäftsideen. Von Grete Götze

Bond Street - Champs Elysées - 5th Avenue - Ginza - Brückenstraße. So lautet die Anzeige von Andi Kliem, Betreiber der Möbelgalerie "Westsektor", in einem bekannten Frankfurter Top Guide. Der Grafikdesigner möchte damit im Namen von 18 Läden auf den coolsten Teil der Brückenstraße aufmerksam machen. Auf seiner Nase thront eine berufstypische schwarze Hornbrille à la Wim Wenders. Kliem, der sich mit Lifestyle auskennt, weiß, dass in der Brückenstraße "seit fünf Jahren in kreativer Hinsicht was passiert."

Dort ist so ziemlich alles kreativ, angefangen vom Druck-Laden "imagine arthouse" Ecke Elisabethenstraße bis zum Babyausstatter "Noa Boa" am Brückenspielplatz. Nicht zu vergessen die Wall-straße, deren Name problemlos mit anderen Straßen der Anzeige mithalten kann. Dort befinden sich Seite an Seite Comicantiquariat, Klamottengeschäft und Weinladen - eben alles, was irgendwie mit Lebensart zu tun hat.

Dabei weist die Brückenstraße ganz verschiedene Abschnitte auf, was städtebaulich ungewöhnlich ist: Vom Main bis zur Elisabethenstraße Verkehrsstraße, folgt hinter der Schifferstraße der Park und eine ruhige Wohngegend, an deren Ende die Brückenstraße auf den Südbahnhof stößt.

Lars Schreckenberger, der in der Wallstraße seit zwei Jahren das "Conmoto" betreibt, kümmert sich um die Organisation des gemeinsamen Straßenfestes mit der Brückenstraße. In seinem Laden kann man gleichzeitig Schuhe kaufen, Eintracht gucken und Kaffee trinken. Das oberste Credo des pink tragenden Architekten ist: "Ich mache hier nur Sachen, auf die ich echt Bock habe."

Diese Einstellung verbindet ihn mit den anderen Ladenbetreibern. Zum Beispiel mit Myriam Beltz, die ihr Klamottengeschäft "Lieblingsstücke" in der Brückenstraße seit 2003 führt und damit nach und nach die anderen Kreativen angelockt hat. "Wir empfinden uns alle nicht als Einzelhändler, für uns ist das eher eine Möglichkeit, frei zu sein," erzählt Beltz, die durch ihr makelloses Gesicht und ihren rabenschwarzen Pagenschnitt ein bisschen an Coco Chanel erinnert. Verschlafen sei die Brückenstraße, und die Betreiber würden dafür sorgen, dass keiner mit seinen Verkäufen reich werde - das verbiete ihr Ehrenkodex. "Wir spielen hier halt ein bisschen Mitte."

Mit ihrer Aussage spielt sie auf die Alte Schönhauser Allee im Herzen Berlins an, auf der sich als erstes in Deutschland kreative Köpfe zusammengefunden haben, um nicht-kommerzielles Design feil zu bieten. Diesem Konzept entspricht auch Susanne Stahls Geschäftsidee von "Designe, Kleine!" in der Brückenstraße: Für 20 Euro im Monat können Künstler bei der 31-jährigen Architektin einen Kasten mieten und ihre Kreationen ausstellen.

Bernd Winzinger vom Geschäft "Ich war ein Dirndl" erklärt: "Mit Ideen wie unseren kann man eben nicht auf die Berger Straße gehen, weil sich durch die hohen Mieten ja alles sofort rentieren müsste." Stattdessen stelle Inhaberin Jutta Heeg alles selbst her, was eben Zeit brauche.

Jutta Wilkesmann, die seit 20 Jahren mit ihrem Buchladen "Die Wendeltreppe" in der Brückenstraße ansässig ist, erzählt, dass hier vor vier Jahren noch fast alles leer gestanden hätte. "Dann kamen nach und nach die ganzen Designer hierher." Eine Einkaufsstraße sei die Brückenstraße aber schon immer gewesen. Nachdem in den 20er Jahren die Alte Brücke umgebaut worden sei, hätte man die gleichnamige Straße als Verlängerung der Fahrgasse geplant. Schon von jeher käme man aber nur gezielt hierher.

Myriam Beltz spricht deswegen auch von der "Dornröschenschlaf-Straße." In ihr scheinen die kommerziellen Gesetze ausgehebelt zu sein: Kein Profit, viel Zeit und keine Konkurrenz untereinander.

Flyer für die Party Brücken / Wall // 2010 im Sachsenhausen in Frankfurt am Main und Umgebung

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