• Eröffnung: Henrike Naumann. Urgesellschaft

  • Sa, 22.06.2019 ab 18:00 Uhr
  • Chemnitz Open Space
    Brückenstraße 10
    09111 Chemnitz
Eröffnung: Henrike Naumann. Urgesellschaft - Chemnitz Open Space - Chemnitz

„Man ist zurückgeworfen, man muss aufschließen! Im Prinzip diese Einheit durch Wirtschaft, durch Konsum. Dieser ganze Umgang mit der DDR als gescheiterter Staat, kommt jetzt als Backlash gerade so zurück. Ich habe den Eindruck, dass diese Alternativlosigkeit – es gibt nur ein wahres System, und wenn Ihr in dem System nicht funktioniert, dann liegt das an Euch –, das treibt, glaube ich, Leute in die Radikalisierung.“ (Henrike Naumann im DLF, 2018)Die Installation ist eine Adaption aus der Ausstellung Ostalgie von Henrike Naumann, entstanden in der Galerie KOW, Berlin 2019. Auszug aus dem Text von Clemens Villinger:Das lineare Treppenmodell marxistischer Gesellschaftsentwicklung und das kapitalistische Wachstumsparadigma teilen einen positiven Bezugspunkt: die Urgesellschaft der Sammler und Jäger als eine Projektion der menschlichen Fundamente des Sozialen. Naumanns neue Installation Ostalgie (Urgesellschaft) nimmt im Erdgeschoss der Galerie die Materialität anthropologischer Narrative und reaktionärer Gesellschaftsentwürfe in den Blick. DDR-Alltagsobjekte vermischen sich mit cartooneskem Mobiliar zu einer flintstonehaften „Neosteinzeit“ (Markues). Naumanns Arbeit fragt nach der Anziehungskraft von Utopien, deren Versprechen darin liegt, die Komplexität der Gegenwart zu reduzieren und eine vermeintlich einfache Vergangenheit zu konstruieren. Eindeutig mit Gewalt und Macht durchgesetzte geschlechtliche, rassische, soziale Ordnungen bilden die gedanklichen Konstanten dieses imaginierten „Retrotopia“ (Zygmunt Bauman). Wenn der Boden nicht mehr trägt, wird er zur Wand.Massenarbeitslosigkeit, Entwertung von Lebensleistungen, Flexibilisierung und Auflösung sozialer Bindungen waren die Landmarken eines als Dschungel wahrgenommenen Ostdeutschland, für dessen Kartierung westdeutsche Beamte bis 1995 eine Sonderzahlung erhielten, die sogenannte Buschzulage. Erst in diesem „Land vor unserer Zeit“ (Littlefoot) etablierten sich die „Ostdeutschen“ als Selbst- und Fremdzuschreibung. Ostalgische Gefühle, Produkte und Praktiken sind ideeller und materieller Ausdruck der aktiven Herstellung kultureller Differenz. (Quelle: https://kow-berlin.com/exhibitions/ostalgie)