• Playland USA im Programmkino Ost

  • Mi, 15.01.2020 ab 19:45 Uhr
  • Programmkino Ost
    Schandauer Str. 73
    01277 Dresden
Playland USA im Programmkino Ost - Programmkino Ost - Dresden

Playland USA Film in Anwesenheit des Regisseurs Benjamin Schindler.Eine poetische Zeitreisefantasie durch die imaginierte Geschichte der Vereinigten Staaten als moderne Märchenwelt, entlang der Spuren unserer Sehnsucht nach Illusion und Eskapismus – gefangen zwischen Fakt und Fiktion, getrieben von den allgegenwärtigen Realitätsverschiebungen in den USA.Die biblische Arche ist ein Publikumsmagnet. Lebensgroß sind Noah und seine Familie zu sehen, begleitet von unzähligen Tierpaaren, die nach der Überlieferung die Sintflut überlebt haben. Das gigantische Holzschiff in Kentucky hat 100 Millionen Dollar gekostet. Halb Vergnügungspark, halb Bildungsstätte, ist es ein Vorzeigeprojekt der Kreationisten, jener fundamentalistischen Christen, die die Evolutionstheorie strikt ablehnen.Der biblische Monumentalbau ist einer der aussagekräftigen Drehorte einer filmischen Reise durch die USA und ihrer Geschichte, durch die Nachstellungen großer historischer Ereignisse, von der Ankunft der puritanischen Gründerväter über den Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Kolonialherren bis zur Eroberung des unbesiedelten Westens. Während die perfekt kostümierten Laienschauspieler in ihren historischen Rollen aufgehen, vergegenwärtigen große Freilichtmuseen das Leben der ersten Siedler in ihren Hütten aus Holz, mitsamt Gärten und Haustieren.Die Geschichte, das wird in der bilderreichen und assoziativen Montage von „Playland USA“ deutlich, ist ein Bündel von Geschichten. Sie muss unterhaltsam sein und darf nicht hinterfragt werden. Das Land spielt die eigene Vergangenheit nach, in altbekannten Rollen und eingefahrenen Schablonen, unter freiem Himmel mit und ohne Eintrittsgeld: Der Sheriff in der Westernstadt Tombstone in Arizona erschießt Banditen, im kalifornischen Sacramento werden die Schienenstränge der Pazifik- und der Atlantikbahn zusammengefügt, und vom texanischen Houston aus startet die Apollo 11 zur ersten Mondlandung. Amerika ist ein Land der Helden und der Superhelden.„Wahrheit – Gerechtigkeit – Der amerikanische Traum!“ ist auf dem Sockel zu lesen, auf dem eine Superman-Statue steht. Fiktion und Realität sind nicht zu trennen, Historisches vermischt sich mit Religiösem. Zu den Heldenbildern gehören auch die Feindbilder, und untrennbar mit den Heldengeschichten, dem „Spirit of the frontier“, ist auch die Angst vor unbekannten Gefahren verbunden, die vor den Palisaden der Grenzzäune lauern: wilde Tiere, grausame Ureinwohner, Banditen, Spione und Aliens, unbekannte Invasoren aus anderen Galaxien oder der Amokläufer im Kino.Doch auch die Angst gehört zum Entertainment, die tiefe Furcht vor dem Untergang und die Lust an der apokalyptischen Vision, wie sie die afro-amerikanische Endzeitpredigerin auf dem Times Square in New York lautstark hinausschreit.Schindlers Amerika ist eine unermüdliche Traumfabrik, ein Land des Entertainments, der Popkultur und der religiösen wie nationalen Propaganda, die sich tief ins kollektive Unterbewusstsein eingegraben hat, wenn etwa der Vietnamveteran mit langem Schnurrbart im verbrannten Gesicht und Hut in seinem Garten sinniert: „Freiheit ist nicht umsonst, immer muss jemand dafür sterben.“„Playland USA“ spürt den Mythen und den großen Erzählungen der USA nach, er führt beinahe traumwandlerisch durch ein seltsam vertrautes und doch so exotisches Land.