• Kein Schwein kennt mich | Tassilo Lantermann

  • Fr, 25.10.2019 ab 18:00 Uhr
  • Super7000
    Rather Strasse 25
    40476 Düsseldorf
Kein Schwein kennt mich | Tassilo Lantermann - Super7000 - Düsseldorf

Ausstellung am 25.10. und 26.10.2019 in der Kartoffelhalle des Super7000Tassilo LantermannKunstakademie Düsseldorf Klasse Thomas GrünfeldFreitag 25.10.2019, 18 - 22 Uhr (Vernissage)Samstag 26.10.2019, 10 - 22 Uhr------Ulrich Thon schreibt über Tassilo Lantermann:"Tassilo Lantermann zieht sich gerne weiße Strümpfe und seine Sonntagsschuhe an und springt in eine Pfütze. Am besten so, dass viele nass werden. Wer diesen anarchischen Akt jedoch nur mit Verachtung straft, hat sich nicht die Mühe gemacht genau hinzuschauen. Und vielleicht trifft das auch schon den Kern dessen, wie Tassilo Lantermann seine Arbeit für die Betrachter anlegt: wer sich nicht mit meiner Arbeit auseinandersetzt, soll einfach weiter gehen.In einer Zeit, in der der Kunstbetrieb immer redundanter zu werden scheint, gefällig, oder an der Oberfläche Reibung sucht, darf es nicht erstaunen, wenn junge Künstler mit aller Kraft und gegen alle Widerstände, versuchen neue Ziele zu definieren und produzieren. Ohne Rücksicht auf Verluste. Tassilo Lantermann interessiert zuvorderst die Aussage hinter seiner Arbeit. Warum mach ich etwas. Erst dann macht er sich auf die Suche nach einer Form, die diese Aussage am präzisesten transportieren kann. Er setzt sich mit den Gesetzmäßigkeiten der gewählten Darstellungsform auseinander und tastet sich dann an die Umsetzung heran, nicht wie ein Betongießer, sondern eher wie ein Archäologe, der Planum um Planum freilegt, bis er eine Vermutung bestätigt bekommt, mit der er sich auf den Weg gemacht hat. Nicht weniger Präzision, Geduld und Einsatz erwartet Tassilo Lantermann von den Betrachtern seiner Arbeiten, bevor sie urteilen.Mit einem für sein Alter erstaunlich vielfältigen künstlerischen Vokabular aus Film, Inszenierung, Malerei und Performance, schafft Tassilo Lantermann vor allem atmosphärische Räume, in denen seine Arbeiten nur einen Aspekt vertreten, der nicht mehr wiegt, als die Betrachter selbst im Raum. Aber diese Atmosphären können eben auch beängstigend, verstörend oder provozierend sein. Wer dahinter nur das unerzogene Kind sieht, das mit weißen Strümpfen und Sonntagsschuhen in eine Pfütze springt, kann getrost weitergehen.Viele Arbeiten von Tassilo Lantermann erscheinen angreifend durch ihre Größe, die oft drastischen und gewaltvollen Motive und den zeitweise grobschlächtigen Malstil. Mir erscheinen die Arbeiten eher als ein folgerichtiges und zwingend logisches Pendant zu einer immer übergriffigeren Bildflut im öffentlichen Raum. Es würde nur ein Tag der Konzentration genügen, um uns gewahr zu werden, über welches Arsenal unterschiedlichster Quellen wir mit Gewalt und manipulativer Werbung ungeschützt „befeuert“ werden, ohne dass sich bei uns in irgendeiner Weise eine empathische Auseinandersetzung oder Reflexion anschließen würde. Wir wissen über jeden Konflikt und jede Ungerechtigkeit auf der Welt in einer Globalisierung unkommentierter und unreflektierter Bilder, ohne uns diesen Ereignissen seelisch in irgendeiner Weise verbinden zu müssen. Die Bilder fließen in uns hinein und aus uns heraus. Sie nähren nicht, sie bilden nicht, sie berühren nicht, sie tragen nichts zu unserer Entwicklung bei. Wie stark und aufrüttelnd, groß und drastisch muss ein Bild gemalt , wie verstörend und beängstigend muss eine Atmosphäre gestaltet sein, um diesen Dauerzustand wenigstens für einen Atemschlag zu unterbrechen? Wie laut muss ein Werk geschaffen werden, um für einen Moment den Informationslärm einer plappernden Welt übertönen zu können, um eine Stille zu schaffen für eine Stimme, eine nur, die einen Moment wirklich etwas zu sagen hat. Vielleicht nicht spektakulär, aber menschlich und nah.Tassilo Lantermann sucht handwerklich immer wieder neue Mittel, Menschen dazu zu bringen sich in den von ihm geschaffenen Atmosphären vor allem wach und innerlich aktiv zu bewegen um inne halten zu können. Würden seine Arbeiten Stillstand oder Wohlgefälligkeit hervorrufen, würde Tassilo Lantermann das sicher als persönliches Versagen empfinden."