• Antifa-Café Düsseldorf: „Der Kuaför aus der Keupstraße"

  • Di, 20.02.2018 ab 19:00 Uhr
  • Linkes Zentrum • Hinterhof
    Corneliusstraße 108
    40215 Düsseldorf
Antifa-Café Düsseldorf: „Der Kuaför aus der Keupstraße" - Linkes Zentrum • Hinterhof - Düsseldorf

Das Antifa-Café Düsseldorf lädt ein:„Der Kuaför aus der Keupstraße – Keupstrasse'deki kuaför“Ein Film über die Geschichte und Situation der Überlebenden und Betroffenen des Kölner Nagelbombenanschlages vom 9. Juni 2004Der Dokumentar-Kinofilm ist bislang in Düsseldorf leider viel zu selten gezeigt worden. Darum liegt es uns besonders am Herzen, den Film im Antifa Café gemeinsam mit Euch zu sehen, darüber zu sprechen und uns zusammen über Pläne und Ideen auszutauschen, wie wir den Tag der Urteilsverkündung im Münchener NSU-Prozess hier oder in München kritisch und lautstark begleiten können – #keinschlussstrich – hiç unutmadık, unutmayacağız!Im Februar 2018 wird in München am Oberlandesgericht der Prozess gegen die Angeklagten NSU-Täterinnen und -Unterstützerinnen schon lange in sein fünftes Jahr gegangen sein. Seit Mai 2013 wird dort zur Schuld-, Tatbeteiligung oder -mithilfe der fünf Angeklagten verhandelt. Staatsanwaltschaft und Gericht wollten dabei von Beginn an bei ihrer engen Perspektive bleiben, den Beschuldigten die Taten, die ihnen vorgeworfen werden, gerichtsfest nachzuweisen. Ein Urteil soll gesprochen werden zur Durchführung und Beteiligung an etlichen brutalen Banküberfällen, bei 10 Morden und dem versuchten Mord an einem Polizisten, bei drei Sprengstoffanschlägen und den versuchten Morden an Dutzenden von Menschen, die diese Bombenexplosionen nur mit großem Glück überlebt haben.Auch nach über 400 Verhandlungstagen schließt das Gericht aber jeden Blick auf alles, was nicht in seinen Blickwinkel auf die angeklagten Taten passt, aus.Die rassistischen Ermittlungen gegen die Überlebenden, Betroffenen und Hinterbliebenen,der institutionelle Rassismus, der aus Opfern Täter machte,die Verdächtigungen und Stigmatisierungen, denen die Überlebenden und Angehörigen ausgesetzt waren, …die großen und immer noch ungeklärten Fragen nach den Kenntnissen der Geheimdienste zur Struktur des „Nationalsozialistischen Untergrundes“,das Vertuschen, Schreddern und systematische Wegblenden staatlicher Einblicke und staatlichen Wissens um das Netzwerk „NSU“,die VLeute-Praxis ...... all dies soll nach Wunsch der Generalbundesanwaltschaft nicht Thema im Gerichtssaal sein.Doch die Betroffenen, Überlebenden und Angehörigen selbst sind es, die diese Zusammenhänge im NSU-Prozess lautstark aufzeigen. Als Nebenklägerinnen und Nebenkläger sind sie nicht müde geworden, Ihre Perspektive auf die Geschichte der Ermittlungen und der Rolle der Verfassungsschutzämter im Netzwerk der Neonazi-Szene rund um das Kerntrio des "NSU" zu benennen. Sie berichten davon und klagen an: Polizei und Staatsanwaltschaften, Geheimdienste und politisch Verantwortliche haben nichts zur Aufklärung beigetragen. Im Gegenteil.Die Betroffenen des Anschlages auf der Kölner Keupstraße sprechen heute vom „Anschlag nach dem Anschlag“, wenn sie von den sieben Jahren erzählen, die zwischen der Explosion der Bombe am Nachmittag des 9. Juni 2004 und der Selbstenttarnung des NSU vom 4.11.2011 lagen.Ihre Wahrnehmung vom unfasslichen Rassismus, der ihnen in den Ermittlungen begegnete, von der Täter-Opfer-Umkehr, mit der sie von den ermittelnden Behörden gequält, stigmatisiert und verletzt wurden und schließlich ihre Strategien, damit in irgendeiner Weise zurechtzukommen, sind es, die aus einer aufrichtigen Auseinandersetzung mit dem "NSU"-Komplex nicht einfach herausgestrichen werden können, wenn es um lückenlose Aufklärung gehen und auch über Verantwortung gesprochen werden soll.Anlässlich des bevorstehenden Prozess-Endes wollen wir uns die Zeit und das Herz nehmen, uns mit der Perspektive der Überlebenden auf diese Verantwortung auseinanderzusetzen.Darum freuen wir uns, wenn wir den Film zusammen sehen – nutzen wir die Gelegenheit!Zum Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ – Buch und Regie: Andreas Maus (2015 - 92 Minuten - in deutscher und türkischer Sprache)„Der Film erzählt die Geschichte des Nagelbombenanschlags vor einem türkischen Frisörsalon in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004. Er konzentriert sich dabei auf die Folgen für die Opfer und ihre Angehörigen, gegen die als Hauptverdächtige jahrelang ermittelt wurde. Der Film rekonstruiert die Ermittlungen der Polizei anhand der Verhörprotokolle und es wird deutlich, dass als Täter für die Polizei vor allem die Opfer in Frage kamen. Ein ausländerfeindliches Motiv wurde weitestgehend ausgeblendet. Erst Jahre später wurde der Anschlag dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet.Auf eindrückliche Weise zeigt DER KUAFÖR AUS DER KEUPSTRASSE wie tiefgreifend der Bombenanschlag, aber auch die Verdächtigungen danach, das Leben im Kölner Stadtteil Mülheim erschüttert haben.So wie in Köln wurden auch in den anderen Städten, in denen der NSU gemordet hat, zumeist die Angehörigen und ihr Umfeld verdächtigt. Der Film eröffnet die Diskussion über die Frage einer strukturellen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland auf eine neue Art, nämlich aus der Perspektive der Betroffenen.“(aus der Pressemappe zu „Der Kuaför aus der Keupstraße“ – realfiction-Filme)