• Oliver Ross und Anna Szermanski

  • So, 13.03.2016 ab 16:00 Uhr
  • Kunsthaus Essen
    Rübezahlstraße 33
    45134 Essen
Oliver Ross und Anna Szermanski - Kunsthaus Essen - Essen

Oliver Ross, Anna Szermanski

13.3. - 24.4.2016

Eröffnung: Sonntag, 13.3.2016, 16 Uhr Einführung: Dr. Uwe Schramm gefördert durch: Sparkasse Essen Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15 – 18 Uhr (Karfreitag und Ostersonntag geschlossen)

Oliver Ross

DIE HYPOTRANSLUMINISZENS DER QUASIAURA WIRFT IHRE SCHATTEN IN DIE PATHOGENESE DES HANDWERKS Bekanntermaßen hat „Die Kunst“ ihre Aura schon vor langer Zeit eingebüßt. Rossology gibt ihr durch Technik zurück, was ihr durch Technik genommen wurde. Die Lichterscheinung der Quasi-Aura ist damit endlich reproduzierbar; und in ihrer Ontowirkung durchscheinend prozessual: Denn so, wie sich hier die Farben ändern, schwanken auch die Gefühle, sowohl langfristig als auch unmittelbar gegenwärtig. Sie drücken sich als subjektive Tatsachen körperlich aus: Erröten und Blasswerden… In den rossologischen Aura-Automaten kommt sogar grünes Rot vor Abstrakte Kunst ist hypothetische Kunst. Hypothesen resultieren aus Analysen, transluminierte Hypothesen können wiederum selbst besser analysiert werden. Auf den Querschnitten der Wunschorgane aus dem Rossology Labor lässt sich lesend schauen, was von der sogenannten Seele bewohnt wird. Dabei kommt das Geistige in der Kunst heute oft aus der Steckdose: Schalt doch mal das Bild aus! Kein Einleuchten ohne Blendwerk. Daher auch die Schatten. Wo sich die Formen nun verdunkeln, kommt noch etwas anderes zum Vorschein: Die Antikunst. Als trotziger Widerstand. Und der kommt hier, ganz romantisch, folgerichtig aus dem Handwerk. Denn das Handwerk, man spürt es irgendwie, hat an Bedeutung verloren und damit auch der Mensch. Das soll nicht sein. Daher wird diese Problemlage radikal als pathogene Meditation vorgeführt: Kugelschreiber auf Papier, bis zur Schmerzgrenze, so dicht, wie es das noch nie gegeben hat. Garantiert. Zeichnung total. In diesem Sinne: Die Kunst macht weiter, denn Totgesagte leben länger! Text: Oliver Ross, 2016

Anna Szermanski

Die gebürtig aus Polen stammende Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf beschäftigt sich in ihren jüngsten Arbeiten mit der Folklore ihres Herkunftslandes. Mit flächig gestalteten, lebensgroß dimensionierten Tafeln erscheinen farbenprächtige Motive, die bestimmte Gestaltungselemente graphisch reduziert und abstrahiert zur Darstellung bringen. Mit einem Brückenschlag finden die biographisch gefärbte Vergangenheit der Künstlerin und ihre kulturelle Prägung mit dem großen abstrakten Weltgeschehen und dem Kreislauf allen Lebens zueinander. In den letzten Jahren beschäftigte sich Anna Szermanski intensiv mit der Kultur und der ornamentalen Formsprache polnischer Folklore. Die Frage „Wo komme ich her, wo gehe ich hin?“ ist von zentraler Bedeutung in ihrer künstlerischen Arbeit. Die Arbeiten stehen für ihren persönlichen Kreislauf, wie auch für den Kreislauf des Lebens allgemein und stellen Fragen nach Einheit und Individualität, Symbiose und Gegensatz, und letztendlich nach Ursprung und Ende. Der Blick Anna Szermanskis dringt dabei durch die Oberfläche und äußere Hülle des Lebens zu den Bauprinzipen der Körper, die damit einerseits jegliche Individualität verlieren, andererseits aber zu Symbolen vitaler Zusammenhänge werden, indem Sie symbolhaft den Kreislauf des Werdens und Vergehens allen Lebens visualisieren. Menschliche Skelette werden dabei auf ihre formalen Ausdruckswerte reduziert und mit floralen sowie vegetabilen Formen kombiniert, woraus sich letztendlich ein graphisches Muster ergibt, das jegliche Form von ursprünglichem Schrecken oder Morbidität für immer verloren hat und dem Betrachter als lustvoll gestaltetes, farbenkräftiges Ornament entgegentritt. Die besondere Art der Präsentation dieser Malerei, die auf dem Boden liegend gezeigt wird, ist dabei durchaus außergewöhnlich. Manches erinnert dabei an archäologische Ausgrabungsfelder oder altertümliche Grabplatten. Und es sind gerade diese Momente des Erinnerns, die der farbkräftigen Malerei von Anna Szermanski eine besondere Tiefe verleihen.