• Christoph Hein - Glückskind mit Vater

  • Do, 09.06.2016 ab 19:30 Uhr
  • Die Brücke
    Universitätsstraße 19
    45141 Essen
Christoph Hein - Glückskind mit Vater - Die Brücke - Essen

in Kooperation mit der 'Evangelischen Studierendengemeinde Duisburg-Essen' (ESG)

Christoph Hein: Glückskind mit Vater Dr. Hannes Krauss im Gespräch mit Christoph Hein

Donnerstag, 9. Juni um 19:30 Uhr im Café der "Brücke" (Campus Essen) Universitätsstr. 19, 45141 Essen Eintritt 8,-- EUR / Reservierung empfohlen: Tel. 0201-82070-0 mail: post@heine-buch.de oder via Facebook

Was verdankt ein von der Mutter »Glückskind« genannter Sohn dem Vater? Der ist in Christoph Heins neuem Roman unausweichliche Antriebskraft. Jedoch in einem alles andere als positiven Sinn: Der Sohn, 1945 in die entstehende DDR hineingeboren, verbringt sein Leben im Fluchtmodus (psychisch, physisch, beruflich, geographisch, in Liebesdingen) vor einem zwar toten, als entlarvter Kriegsverbrecher aber ständig präsenten Vater. Versuche (durch Annahme eines anderen Namens, durch Bewerbung bei der französischen Fremdenlegion), aus dem Schatten des Vaters herauszutreten, scheitern. Kurz nach dem Mauerbau kehrt er in die DDR zurück, darf dort kein Abitur machen, bringt es gleichwohl, glückliche Umstände ausnutzend – Glückskind eben – in den späten DDR-Jahren bis zum Rektor einer Oberschule – fast. Am Ende erkennt er: eine Emanzipation von der allgemeinen und der persönlichen Geschichte kann nicht gelingen. Durch die Verkettung von Vergangenheit und Gegenwart wird aus dem Glückskind ein Unheilskind, das wie in einem Brennspiegel deutsche Verhältnisse – in politischen, gesellschaftlichen und privaten Bereichen – repräsentiert. Christoph Hein erzählt dieses beispiellos-beispielhafte deutsche Nachkriegsleben ironisch und anrührend, aber ohne Sentimentalität oder Sarkasmus.

Christoph Hein wurde 1944 in Heinzendorf (Schlesien) als Sohn eines Pfarrers geboren. Er ist in Bad Düben (bei Leipzig) aufgewachsen, hat in Leipzig und (Ost) Berlin Philosophie und Logik studiert, war Dramaturg und Hausautor an der (Ost)Berliner Volksbühne und lebt seit 1979 als freier Schriftsteller in Berlin. Mit Theaterstücken (wie „Cromwell“, „Die wahre Geschichte des Ah Q.“, „Passage“, „Die Ritter der Tafelrunde“) und Prosawerken (u.a. „Der fremde Freund/Drachenblut“, „Horns Ende“, „Willenbrock“, „Landnahme“, „Frau Paula Trousseau“) hat er die zeitgenössische deutsche Literatur geprägt wie wenig andere. Als Autor ist er ein „Chronist ohne Botschaft“, als streitbarer Zeitgenosse scheut er sich nicht, öffentlich Klartext zu reden – ob gegen die Zensur in der DDR oder gegen die Auswahl der Werke für eine Berliner Ausstellung zum sechzigjährigen Jubiläum des Grundgesetzes. Hein war erster Präsident des vereinigten deutschen PEN-Zentrums und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (u.a. mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem Erich-Fried-Preis, dem Peter-Weiss-Preis, dem Schiller-Gedächtnispreis und dem Uwe-Johnson-Preis).

Moderation: Dr. Hannes Krauss, 1945 in Stuttgart geboren, war bis 2011 Akademischer Rat in der germanistischen Literaturwissenschaft an der Universität (Duisburg-)Essen. Zahlreiche Publikationen zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und –kultur, regelmäßige Gastdozenturen an ausländischen Universitäten (u.a. in Russland, Italien und den USA).