• Soft View/Privatissime

  • Fr, 14.08.2020 ab 14:00 Uhr
  • Neuer Essener Kunstverein
    Bernestrasse 3
    45127 Essen
Soft View/Privatissime - Neuer Essener Kunstverein - Essen

Mit Arbeiten von Elisa Barrera, Harun Farocki, Angélique Heidler, Sarah Lehnerer, Alan Michael, Rosa Rendl, Sarah Schumann und Niklas Taleb Die Gruppenausstellung "Soft View/privatissime" nimmt John Baldessaris berühmtes Bild "Semi-close-up of Girl by Geranium" (1966) zum Ausgangspunkt, über Bildklischees, die Möglichkeiten von (gemalten und technischen) Bildern sowie weibliche Perspektiven auf diese nachzudenken. Genaugenommen ist "Semi-close-up of Girl by Geranium" kein Bild, es wird lediglich mit schwarzer Schrift auf weißem Grund das Bild einer Frau heraufbeschworen, die eine Geranie gießt. Das Bild markiert einen spekulativen Nullpunkt der Malerei, eine Auflösung in Beschreibung und Weiß. Überdies ist das evozierte Bild der sich kümmernden Hausfrau Klischee des männlichen Blicks, der hier über den Blick durchs Schlüsselloch ironisiert wird. Damit zitiert Baldessari eine Rollenzuschreibung der Frau als passiv angeschautes, der häuslichen Sphäre zugeordnetes Wesen, gegen die zeitgenössische Künstlerinnen bereits länger anarbeiten, insbesondere im Medium Malerei. Gleichzeitig ist "Semi-close-up of Girl by Geranium" eine Inszenierung von Bildhaftigkeit (Picturehood) selbst. Dabei wird das Bild auf ein ideologisches Minimum reduziert, auf das Bild einer Person, im besten Falle das einer Frau, welche durch die dominanten Bildpolitiken bereits ‚objektiviert’ wurde. Die Ausstellung möchte über Baldessaris "Semi-close-up of Girl by Geranium" die eigentliche Kernfrage des Bildes, wie bildnerische Kommunikation funktioniert, mittels zeitgenössischer Positionen von Picturehood sowie Arbeiten von Sarah Schumann (1933-2019) und Harun Farocki (1944-2014) reflektieren. Zentral dafür bleibt die Überlagerung von bzw. Reibung zwischen Frauenbildern und weiblicher Bild(gegen)macht. Auch, weil in der Frauenfigur immer schon eine Spannung zwischen kommunikativer Sichtbarkeit (die den Blick erwidern kann) und einer objektiven, unidirektionalen Sichtbarkeit angelegt ist. Also eine Spannung zwischen einer Beziehung mit expliziten ethischen Ansprüchen und einer, in der ein solcher Anspruch entkräftet werden könnte. Überdies ermöglicht eine Beschäftigung mit Picturehood auch eine Zirkulation zwischen den häufig separat geführten Universen von Malerei und Fotografie, welche durch hartnäckige Gattungsgrenzen nur selten zustande kommt. Über Leitmotive und Möblierung nimmt die Ausstellung vielfach Bezug auf die häusliche Sphäre, wodurch die Rezeption der Ausstellung gewissermaßen privatissime (lat.: sehr privat, sehr persönlich, ganz geheim) stattfindet. Gleichzeitig wird damit auch jener Ort besetzt, der immer noch dem Weiblichen zugeordnet wird – erst recht wenn es gilt, Bildhaftigkeit herzustellen. Die Ausstellung wird großzügig unterstützt von der Kunststiftung NRW.