• CWR 90 – Earth Diver

  • Sa, 24.09.2016 ab 19:00 Uhr
  • Kokerei und Zeche Zollverein
    Gelsenkirchener Str. 181
    45141 Essen
CWR 90 – Earth Diver - Kokerei und Zeche Zollverein - Essen

Earth Diver Musiktheater / Uraufführung ruhr3.com/ear

Wir leben in einer globalen Krise. Aber wie gehen wir damit um? Der Philosoph Peter Sloterdijk warnt vor einem „Gespenst der Religion“ und ermahnt uns, unser Leben selbst zu ändern, ohne auf Gottes Hilfe zu warten. Slavoj Žižek wiederum vergleicht unser Denken und Handeln in dieser Endzeit mit einem Trauerprozess, in dem wir verschiedene Stadien durchlaufen von Ablehnung über Wut hin zu Akzeptanz. Das Musiktheater „Earth Diver“ in der Regie von Wouter Van Looy will tief in diese Stimmungslage eintauchen, philosophische Gedanken musikalisch, literarisch und bildlich verbinden.

Die Werke des Barockkomponisten Heinrich Schütz gaben in Zeiten von Pest und Krieg dem Leiden einen religiösen Sinn und versprachen Unsterblichkeit. Heute antwortet der Komponist Nikolaus Brass darauf mit neuen Chorkompositionen, die in einer Zeit, die keinen musikalischen Mainstream mehr kennt, die utopische Kraft der Tradition befragen und zugleich aufheben wollen.

Der belgische Schriftsteller Paul Verrept setzt sich in einem inneren Monolog mit unserer Sicht auf die Welt und auf unser eigenes Tun auseinander – verkörpert, vertont und variiert durch den Vokalkünstler Phil Minton. Und die Bilder des Filmkünstlers Wim Catrysse werfen einen düster-visionären Blick auf eine Gesellschaft im Industrie-Endstadium: Aufnahmen aus einer russischen Mine, isoliert im polaren Spitzbergen, wo der Bergbau längst nicht mehr rentabel ist und sich Gott auflöst in den alltäglichen Kampf mit Witterung, Gestein und Arbeit. Und dennoch verharrt man wie im Zustand der Verleugnung, gräbt immer tiefer, der völligen Erschöpfung entgegen.

Eine Produktion von Muziektheater Transparant und ChorWerk Ruhr für die Ruhrtriennale. Koproduziert von Klarafestival, Operadagen Rotterdam, MAfestival, B’Rock Orchestra und Escautville. Unterstützt vom Vlaams Audiovisueel Fonds (VAF).

Foto: Wim Catrysse