• Stefan Pfeiffer / Tourniquet / Eröffnung Fr. 31.10.14

  • Fr, 31.10.2014 ab 19:00 Uhr
  • Galerie Kai Erdmann
    Klosterwall 4
    20095 Hamburg
Stefan Pfeiffer / Tourniquet / Eröffnung Fr. 31.10.14 - Galerie Kai Erdmann - Hamburg

Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 31. Oktober 2014 ab 19 Uhr sind Sie und Ihre Freunde herzlich eingeladen.

Stefan Pfeiffer "Tourniquet"

Tourniquet, von frz. tourner = drehen, ist ein Abbindesytem, das regelmäßige Anwendung in Unfall- und Exremitätenchirugie findet, um den Fluss in Venen und Arterien zum Stillstand zu bringen und in gänzlicher Blutleere operieren zu können. Häufige Nebenwirkungen sind Hämatome und Quetschungen der oberen Hautschicht.

Ebensolchen Darstellungen von blauen Flecken widmet sich der in Berlin lebende Künstler Stefan Pfeiffer und wählt das Hautbild, ob seines von äußeren und inneren Faktoren abhängigen Erscheinungsbildes, zum narrativen Bildthema und Ausdrucksmittel von pro- und regressiven Zuständen. Objekt und Auseinandersetzung sind tradierte wie wiederkehrende Ismen und Codes derer Pfeiffer sich prozesshaft annähert und die es ihm im Zitat und ironischer Kopie ermöglichen über Malerei zu kommentieren.

Weder Haut noch Fleisch - Leibfarbe. Mit obsolet werden einer naturalistischen Mimese und aufkommender Abstraktion tritt die Abstrusität von Farben und ihrer spezifischen Kategorie und Verwendung in den Mittelpunkt malerischer Auseinandersetzung. Haut als Ausdrucksmittel von Charakterzügen und Stimmungen wird expressionistisch in Blau, Gelb, Grün gefasst, statt sich einer möglichst realistischen Darstellung zu unterwerfen. Stefan Pfeiffer bezieht die kunstgeschichtliche Relevanz und Entwicklung des Inkarnats, welches beispielsweise lange als Gütesiegel oder Emotinsträger eines sinnlichen, nicht geistigen Moments galt, in seine Überlegungen mit ein. Auch Fragen des Materials, der Darstellungsmöglichkeiten von Malerei, technische Malprozesse sowie die sinnbildliche Bedeutung von Haut, als Ausdrucksmittel von Lebendigkeit, Authentizität und Aura spielen und spielten eine Rolle. Dem entgegen werden grafische Elemente gesetzt, jedoch nicht im Hinblick auf ein Abarbeiten von Vergangenem sondern vielmehr als Auseinadersetzung mit einem Wie oder Weiter ...

In Pfeiffers aktuellen Arbeiten wird Gegenständlichkeit abstrakt dargestellt und in nahezu monochrome Flächen überführt. Hautfarbene Pflaster werden metaphorisch über bläulich, rote, lilane, grüne Hämatome gemalt. Sitzpolster von Stühlen gegen gegossene Betonflächen getauscht und ganze Leinwände zunächst, in der Tradition des All-Over und Dripping, mit einem Hautton angefüllt und durch Bearbeitung der Oberfläche wieder aufgebrochen. Dennoch geht es Pfeiffer nicht um die sinnliche Erfahrung von Farbe und Materialität, etwa im Sinne des abstrakten Expressionismus oder Konstruktivismus. Die blauen Flecken sind Sinnbilder – ihre Form spielt lediglich mit Begrifflichkeiten und legt damit den Mittelpunkt der Auseinandersetzung fest. Pfeiffer malt Haut und Farbe. Es geht ihm darum ein Bild zu personalisieren, seine komische Dinglichkeit offenzulegen, es lesbar - Abbau, Wiederholung und korrelierenden Stillstand erlebbar zu machen.

Der Titel, Tourniquet meint dabei auch die Arbeitsweise denn die Bilder werden beim Malen gedreht, sodass keine gewollt lesbare Richtung entsteht.

Rosa Windt