• ANDREA GRÜTZNER / GASTFREUND

  • Sa, 05.09.2015 ab 17:00 Uhr
  • Galerie Coucou
    Elfbuchenstr. 20
    34119 Kassel
ANDREA GRÜTZNER / GASTFREUND - Galerie Coucou - Kassel

GALERIE COUCOU ZEIGT ANDREA GRÜTZNER GASTFREUND

ERÖFFNUNG MUSEUMSNACHT 5. SEPTEMBER / 17:00 - 1:00 UHR

DAUER 08. SEPTEMBER - 02. OKTOBER

ÖFFNUNGSZEITEN DIENSTAG - FREITAG 16:00 - 19:00 UHR (UND NACH VEREINBARUNG)

Andrea Grützner führt den Betrachter ihrer Fotografien in verwinkelte, kafkaeske Bildräume. Es sind Räume, die in Licht und farbige Schatten zerfallen. Obgleich die Arbeiten an abstrakte Malerei erinnern, sind sie doch gegenstandbezogen, denn beide in der Galerie Coucou gezeigten fotografischen Serien sind eine sensible Untersuchung eines konkreten Ortes.

Das Gasthaus "Erbgericht" ist seit mehr als hundert Jahren kulturelles Zentrum eines sächsischen Dorfes. Es ist ein Ort der Begegnung, des Kommens, des Gehens und mit den Jahren Projektionsfläche für Generationen von Erinnerungen und Emotionen geworden. Geschichte und Geschichten stecken in den Wänden, Treppen und Nischen. Das Interieur selbst ist wie eine faszinierende Collage aus historischen Stilen und Mustern. Dem Zauber des Gasthauses geht die junge Fotografin Andrea Grützner nach, die in dieser Region geboren wurde, die die Menschen und den Landstrich kennt. Doch neben dem Gefühl hier beheimatet zu sein, fühlt sie sich zugleich auch fremd. So sind es die widerstreitenden Empfindungen von Distanz und Nähe, die zu den persönlichen und zugleich experimentellen Rahmenbedingungen führen.

„Und – eins, zwei, drei, eins, zwei, drei...“ – im wiegenden Walzerschritt wirbeln die Damen des „Tanztees“ in dem traditionsreichen Gasthaus übers Parkett. Man hat sich für das Tanzvergnügen in Schale geworfen: Großblumige, lebensfrohe Blusen und Kleider kreiseln beim Cha Cha Cha, Foxtrott und Walzer umeinander. Das Auge der Fotografin fällt auf die grellen Farben und verschiedenen Muster, die hier aufeinanderstoßen. Die Bilder zeigen wilde Kompositionen, aber zugleich auch eine vorsichtige Zärtlichkeit zwischen den Tanzpartnerinnen.

Während ihrer fotografischen Streifzüge durch weitere Räume des altehrwürdigen Gebäudes manipuliert Andrea Grützner geschickt die Wechselwirkung von Fotografie und Malerei. Nichts mehr sehen die Augen als nur Licht – und so tastet sie mit farbigem Blitzlicht die Räume nach Erinnerungen ab, lässt die Schatten farbig werden sowie selbstbewusst dem Licht trotzen. Die Farben sind nicht länger eine bloße Ummantelung der Flächen, das Gedächtnis wird zu lichtempfindlicher Materie. Es entstehen metaphorische Collagen, die ein Kaleidoskop der Möglichkeiten offenbaren.

Andrea Grützner wurde in Pirna geboren. Sie studierte in Konstanz Kommunikationsdesign und anschließend Fotografie an der Hochschule Bielefeld. Im Jahr 2014 wurde sie für ihre Arbeit Erbgericht mit dem PhotoVision Förderpreis für Fotografie und dem Source Cord Prize ausgezeichnet. Sie ist eine der Gewinnerinnen von gute aussichten 2014/2015.