• Filmbrücke / Odonien Open Air-Kino: "Wir sind jung. Wir sind stark."

  • Di, 18.08.2015 ab 20:00 Uhr
  • Odonien
    Hornstraße 85
    50823 Cologne
Filmbrücke / Odonien Open Air-Kino: "Wir sind jung. Wir sind stark." - Odonien - Köln

"Wer hat Angst vor deutschem Film?"

http://www.filmbruecke.de/

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK. Regie: Burhan Kurbani Darsteller: Devid Striesow, Jonas Nay, Joel Basmann, Trang Le Hong 123 Minuten, Deutschland 2014

  1. August 2015 ODONIEN Eintritt: 5€ Einlass: 20 Uhr, Filmbeginn bei Dunkelheit.

Rostock-Lichtenhagen, 1992. Stefan, der Sohn eines Lokalpolitikers, zieht mit seiner Clique ziellos um die Häuser. Ohne Job und Ziel machen sie sich gegenseitig zum Opfer ihrer Grausamkeiten. Die Sehnsucht nach etwas Besserem wird verdrängt von der Hoffnungslosigkeit, dass sich jemals etwas ändern könnte. Tief verunsichert richtet sich ihr Hass schließlich gegen die Asylbewerber im Sonnenblumenhaus. Und damit stehen sie nicht allein: Tagelange Krawalle veranlassen schließlich die Politik, das Haus weitgehend zu räumen. Doch eine Gruppe Vietnamesen harrt noch darin aus. Als sie bemerken, was für einer Gefahr sie ausgesetzt sind, ist es fast zu spät. Und auch für Stefan und seine Clique gibt es in dieser Nacht kein Zurück mehr...

2015 ist Deutschland das reichste Land in der Festung Europa. Und doch häufen sich seit Beginn des Jahres die Übergriffe auf Flüchtlingsheime und Asylbewerber. Rechte Hetze bestimmt einen Großteil der unsachlichen Debatte im Netz. Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Hilfswelle von engagierten Bürgern, die die Flüchtlinge willkommen heißen. 23 Jahre nach Lichtenhagen kämpft unsere Gesellschaft noch immer mit einer emotional gesteuerten, diffusen Angst, die sich hilflos gegenüber den Schwächsten äußert.

Somit ist das Thema des Films brandaktuell auch wenn der Schwarz-Weiß Look von „Wir sind jung. Wir sind stark.“ äußerlich eine weit zurück liegende Zeit zu visualisieren scheint. Ästhetisch besticht der Film durch seine Flut von innovativen Bildideen. Die Kamera setzt die Seelenzustände der verschiedenen Perspektiven charakteristisch um und befördert den Zuschauer so in die Subjektive der jeweils Handelnden. Die Schauspieler verkörpern durchweg überzeugend und authentisch ihre Rollen. Für uns ist der Film mutig und originell. Zugleich unaufgeregt und doch höchst dramatisch zeigt er die Banalität, in der Schrecken und Hass ihren Weg an die Oberfläche finden. Wir sehen uns nicht als politisches Sprachrohr, als mahnenden Zeigefinger, der Aufmerksamkeit erzwingen will - und doch passen aktuelles politisches Geschehen und deutscher Film an dieser Stelle gut zusammen. Beides präsentiert uns eine gesellschaftliche Realität, die unbedingt wahrgenommen und diskutiert werden sollte.

Frei nach dem Motto „Wer hat Angst vor deutschem Film“ lädt Euch Filmbrücke zu einem spannenden Abend ins Odonien ein, bei dem wir uns gemeinsam mit Euch und „Wir sind Jung. Wir sind Stark“ einem brisanten Thema nähern wollen.