• Ausstellungseröffnung Tine Furler – Fleurs du Mal

  • Sa, 16.01.2016 ab 18:00 Uhr
  • Galerie Hammelehle und Ahrens
    An der Schanz 1a
    50735 Cologne
Ausstellungseröffnung Tine Furler – Fleurs du Mal - Galerie Hammelehle und Ahrens - Köln

Charles Baudelaires Gedichtband-Titel „Les Fleurs du Mal“ wurde von Tine Furler, leicht abgewandelt, für ihre neue Werkserie und als Ausstellungstitel ausgeliehen: „Fleur du Mal / Blumen des Bösen“

In ausgefeilten kurzen Gedichten lässt sich Baudelaires kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft ablesen. Überdruss, Mutlosigkeit, Sünde, Verdrossenheit oder Melancholie in der Großstadt sind des Dichters Themen. Die Mächte des Hellen und Guten sind bei Baudelaire eng verbunden mit der großstädtischen Langeweile.

Tine Furler knüpft mit ihrem neuen Werkzyklus „Fleurs du Mal“ an vorausgegangene Werkgruppen an. Nach wie vor ist Furlers Prinzip die Collage, nur ein wenig verschlüsselter als früher. Anstatt geklebter surrealer Bildwelten, die später zu bestickten Abbildungen von Pin Ups führten, nimmt Furler nun das stets gefundene Fotomaterial, um in der japanischen Origamitechnik Blüten herzustellen und dadurch gefaltete Collagen entstehen. Die Fotos unbekleideter Frauen werden dermaßen gefalzt, dass die Blüten lediglich in Nude-Tönen daherkommen, wodurch die Nacktheit der Abgebildeten auf ihre Haut reduziert wird.

Haut als Projektionsfläche für Sex, Sünde und Begierde, für Ekel und Melancholie. Lauter doppeldeutige Begriffe, die sich nicht ausschließlich positivieren lassen. Es sei denn man betrachtet es mit Claude Chabrol, der sich ebenfalls den Titel „Les Fleurs du Mal“ ausgeliehen hat, um mit hintergründigem Schmunzeln eine Variante seines Lieblingsthemas, die Dekadenz der Bourgeoisie, zu verfilmen.

Auch Tine Furler thematisiert augenzwinkernd die allgegenwärtige Dekadenz des Bürgertums und toppt das Ganze, in dem sie die verführerischen Origamiblüten an organische Zweige heftet und die Kunstblumen in von ihr handgemachten Keramikvasen arrangiert.

Tine Furlers Quellen der Inspiration sind die Gedichte von Charles Baudelaire. Seine Titel sind gleichfalls die Titel ihrer Skulpturen. Ihre „Blumen des Bösen“ spiegeln die Spielregeln der Gesellschaft wieder und um die Diskrepanz zwischen dem Guten und dem Bösen aufzuzeigen, werden die Skulpturen auf glänzenden, werkimmanenten Sockeln platziert.

Klara Wallner