• KUNST IM VEREIN: Farbprozeß von Helga Gendriesch

  • Fr, 31.10.2014 ab 19:00 Uhr
  • Kölner Haus- und Grundbesitzerverein
    Hohenzollernring 71-73
    50672 Cologne
KUNST IM VEREIN: Farbprozeß von Helga Gendriesch - Kölner Haus- und Grundbesitzerverein - Köln

Unter dem Titel „Farbprozeß“ eröffnet der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 am 31. Oktober 2014 um 19:00 Uhr eine Ausstellung, die von großer Unterhaltsamkeit und hoher malerischer Sensibilität geprägt ist. Die Kölner Künstlerin Helga Gendriesch stellt neue malerische Arbeiten vor, und fast fühlt man sich wie im Reich der antiken Zauberin Circe.

Eine ebenso ungewöhnliche wie sinnliche Ausstellung, oder sollte man besser ein Fest der Farben sagen, denn das ist der erste Eindruck den man in hier haben wird. Helga Gendriesch denkt und handelt in Farben – zumindest in der künstlerischen Auseinandersetzung mit Ölfarbe auf Leinwand. Bildharmonie, raumlogische Paarung von ruhigen und vibrierenden Farbakkorden sind die bestimmenden Faktoren dieser Bilder. Der Fokus dieser ungewöhnlichen Ausstellung liegt auf großformatigen Leinwänden, die dem Raum eine neue Taktung zu geben scheinen. Warme Rot- und Orangetöne springen nach vorne, während sich die sehr austarierten blauen Farbpaarungen eher nach hinten zu bewegen scheinen. Die Prägung dieser Malerei - ineinander verwobene Arbeitsprozesse - gibt der Ausstellung den Titel. Helga Gendriesch versteht es, durch eine schnelle Arbeitsweise nass in nass die Ölfarbe in Schichtungen zu vermischen und damit sowohl flächige als auch hinterleuchtete Partien zu erzeugen.

Stellvertretend für die Arbeiten ist das gezeigte rote und grüne Bildpaar. Die Bilder haben nur eine Nummerierung und keine Titel, d.h. die Assoziationen der Betrachter werden nicht durch eine vorgegebene Thematik festgelegt, die Bühne wird ganz von der Farbharmonie bestimmt. Fröhlich und dynamisch sind diese Strukturen und Farbeinblendungen und spiegeln den schnellen malerischen Arbeitsablauf wider. Eine Koalition aus Orange und Blau entwickelt gut gelaunt ihr Eigenleben. Diese Bilder gleichen einer inneren Befragung: Welche Ruhezone soll bestehen bleiben, welche wird ausgelöscht bzw. verdichtet? Zahlreiche Entscheidungen folgen aufeinander, frei nach dem Motto: Mal sehen welcher Kontrast mich fesselt!

Auch wenn das Medium - Öl auf Leinwand - doch als klassisch zu bezeichnen ist, bevorzugt Helga Gendriesch eher experimentelle Techniken. Beginn des Entstehungsprozesses ist die lockerer Neugier und eine beinah extreme Faszination für schnelle Prozessabläufe. Eine vorgefasste Routine lehnt Helga Gendriesch ab, sie würde sie langweilen. Es gelingt ihr immer wieder, Botschaften aus Licht mit kraftvoller Klarheit zu montieren, zunächst aus ganzen Farbprozessen herausgelöst, um dann erst ein Gemälde zu bilden. Blickfänger sind die Werke von Helga Gendriesch und auch gleichermaßen ein Beleg für das bekannte Goethe Zitat: „Farben sind Taten des Lichts“.

Extreme Unmittelbarkeit ist die Grundlage dieser so spannenden und ungewöhnlichen Malerei. Die gezeigten Werke stehen aber auch für die Passion der Malerin, Farben zu definieren als Vehikel, die in das Reich der Sinne einladen: Ein Territorium, in dem sich auf fast zauberhafte Weise die kreative Initialzündung mit der Eigenschaft der jeweiligen Farbe zu paaren scheint.

Ute Kaldune