• ›Die Lebenden, die Toten, die Liebe und die Jahreszeiten‹

  • Mi, 11.01.2017 ab 19:30 Uhr
  • Literaturhaus Köln
    Großer Griechenmarkt 39
    50676 Cologne
›Die Lebenden, die Toten, die Liebe und die Jahreszeiten‹ - Literaturhaus Köln - Köln

›Die Lebenden, die Toten, die Liebe und die Jahreszeiten‹ Lesungen und Gespräche mit Michael Donhauser, Nurduran Duman und Eleni Sikelianos

Die Frage nach den Sprachen der Seele ist auch eine Frage nach ihren möglichen Erscheinungsformen. Trostformeln für Dichter, Propheten, Religionsstifter, Gurus und Heilsuchende aller Art sind die Reden von den wiederkehrenden Seelen, den wandernden Seelenboten, den Seelen, die sich in Tieren, Blumen, Elementen verkörpern. Den Texten der amerikanischen Dichterin Eleni Sikelianos gelingt es, diese nur scheinbar esoterischen Fragen in Fragen der Grammatik zu übersetzen. Wie können Satzstrukturen den Verlusten nachlauschen, ohne die Verluste zu verdecken? Was sind Worte in der Lage zu tun? Sie ist eine kühle Dichterin der transitorischen Zwischenwesen, die von den Trauer- und Schattengeistern berichtet, die unsere Organe ersetzen – und von den Lebensgeistern, die wir zeitlebens in unserem Inneren tragen.

»Und da die Nacht, da sie war kalt und weit, war es / dann, dass da fiel, leicht wie Schnee, ein Verzagen in / die Seele, in die Arme ein Entbehren, und es / klangen noch die Schritte, und es legten sich wie / Hände Lichter auf die Asphaltwege.« In seinen komplexen Idyllen zeigt sich der österreichische Dichter Michael Donhauser als Virtuose der Konjunktionen. Das Abstrakte und das Konkrete sind darin innig, doch nicht zu eng zusammengeknüpft. Sie halten sich gegenseitig in der Schwebe. Manches scheint unangestrengt ins Allegorische herüberzureichen, doch dieses ›Mehr-meinen, als da steht‹ entwertet das Konkrete nicht, im Gegenteil, es bereichert. Seine Reihungen und Variationen aus Laub, Duft, Licht, Dolden, Schatten, Vögeln, Weichen, Wicken, Rost, Holunder, Wut und immer wieder Laub setzen eine Schönheit frei, die ihre untergründige Traurigkeit nicht verleugnen muss.

Die türkische Dichterin Nurduran Duman setzt ihre Gedichte in eine Wechselbeziehung zu den Gedichten des persischen Sufi-Mystikers Rumi. Ihren Zyklus widmet sie der Ney, der traditionellen persischen Rohrflöte, die von Rumi als Instrument zur Erhebung der menschlichen Seele gepriesen wird. Jedes Gedicht aus Dumans Zyklus Neynur beginnt mit einem Couplet aus Rumis berühmtem Lied der Flöte. Es ist ein Lamento: So wie das Rohr der Flöte aus der Gemeinschaft des Schilfs gerissen ist, sehnt sich die Seele in eine verlorene Einheit zurück. »Ich war die Laute spielte mit dem Licht und verstummte vor Freude / Ich wurde nie mehr gespielt / Aber ich begriff ihr Herz gebrochen war es die Ney siebenfach erklingt ihre Sehnsucht.«

Moderation: Monika Rinck

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

In Kooperation mit dem Literaturhaus —

Eintritt 8/6/4 EUR Karten gibt es an der Abendkasse, im Vorverkauf über https://offticket.de/ oder die folgenden Buchhandlungen: Lengfeld’sche Buchhandlung, Kolpingplatz, T. +49 (0)221-257 84 03 Buchhandlung Bittner, Albertusstraße, T. +49 (0)221-257 48 70 Der andere Buchladen, Ubierring, T. +49 (0)221-32 95 08 Buchhandlung Goltsteinstraße (Bayenthal), T. +49 (0)221-340 07 17

http://www.poetica.uni-koeln.de/poetica-3/