• TAGE DER OFFENEN TÜREN: THEMENTAG LEHRE DER LETZTEN TAGE

  • Sa, 28.02.2015 ab 21:00 Uhr
  • Atelierhaus Quartier Am Hafen
    Poller Kirchweg 78-90
    51105 Cologne
TAGE DER OFFENEN TÜREN: THEMENTAG LEHRE DER LETZTEN TAGE - Atelierhaus Quartier Am Hafen - Köln

TAGE DER OFFENEN TÜREN: JUNGES INTERNAT DER KÜNSTE DER WELT Ein künstlerisch-pädagogisches Sozialexperiment

SAMSTAG, 28 2 2015 LEHRE DER LETZTEN TAGE

18.30-23 I.C.U. - PISSEN IST MACHT // EINE PARTIZIPATIVE LIVE-VIDEOINSTALLATION VON FRANK GEIER

Der öffentliche Raum ist ein demokratischer Raum. Also ist er prinzipiell erstmal Eigentum aller Bürger und daher auch für jeden zugänglich. Doch der öffentliche Raum ist hart umkämpft: Verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Subkulturen versuchen ihn tagtäglich für sich einzunehmen, um sich damit eine Stimme zu geben. Ein besonderes Beispiel für die Besetzung des öffentlichen Raums stellt dabei die öffentliche Toilette dar, die einen anonymen Zwischenraum bildet, in dem klare politische Meinungsäußerung möglich wird. Das heimliche Beschmutzen der Wände mit verbalen Schmierereien bleibt meistens unsanktioniert. Doch was passiert, wenn man genau diese Handlungen nachvollziehbar macht? Bleibt der Schutzraum der öffentlichen Toilette derselbe, wenn man den Autoren die Anonymität entzieht und sie nicht nur dabei beobachtet, sondern vielmehr zur radikalen Meinungsäußerung verführt? Die partizipative Live-Videoinstallation stellt die Frage, was unsere Meinungsfreiheit uns eigentlich noch wert ist. Im Nachbau einer öffentlichen Toilette hat der Besucher die Mög-lichkeit, seinen Meinungen freien Lauf zu lassen, wird dabei aber von einer Kamera überwacht, deren Bild für alle anderen Besucher sichtbar ist. Am Samstag, dem letzten Tag des Jungen Internats, wird das Material der letzten Tage öffentlich einsehbar sein.

18.30-20.30 ÜBERBRÜCKEN // EINE PARTIZIPATION SOUNDINSTALLATION

Wir leben in der sogenannten „freien Welt“. Aber wovor schützt uns diese Welt eigentlich oder sind wir doch nur Gefangene unserer beschränkten Freiheitsvorstellung? Die Emanzipation des Menschen zu einem freien Individuum hat uns jedenfalls nicht alle glückselig gemacht. Oder doch? Kommen womöglich mit jeder Befreiung auch neue Zwänge zum Vorschein? Der gesellschaftliche Wandel im Zuge des 20. Jahrhunderts - weg von Gehorsam und Pflicht hin zu Freiheit und Selbstverwirklichung - hat auch die Kunst verändert. Ist jeder Mensch wirklich ein Künstler, wie Joseph Beuys es propagiert hat? In der experimentellen Musik haben sich partizipative Kunstformen heute fest etabliert. Auch das Open Work ist ein wichtiger Teil dieser neuen Tradition, in der mit den Rollen von Komponist, Interpret und Rezipient beliebig gespielt wird. Die Unterscheidung von aktiven Produzenten und passiven Rezipienten wird zunehmend schwieriger. Diese ästhetischen Strömungen eint die politische Haltung der Enthierarchisierung und Emanzipierung des Zuschau-ers/Zuhörers im künstlerischen Schaffen als ko-kreativem Prozess. In der partizipativen Soundinstallation Überbrücken dürfen die Besucher das Geschehen mit verschiedenen Instrumenten und Klängen mitgestalten. Zugleich erzählen verschiede-ne literarische und theoretische Texte von Franz Kafka, Hannah Arendt, Joseph Beuys, Michel Foucault, Byung-Chul Han und anderen Denkern von fremden Zwängen, die wir verinnerlicht haben, von eigenen, von bewussten und unbewussten, von alten und neuen Zwängen und von der Befreiung von ebendieser. Wie befreiend ist es wirklich, selbst künstlerisch - in diesem Fall musikalisch - aktiv zu werden? Oder wird hier die kreative Freiheit zu einem Zwang, sich gegen das Zuhören entscheiden zu müssen?

20.30-21.30 PROTECTING OUR CHILDREN // EIN LIVE-HÖRSPIEL

In dem Live-Hörspiel Protecting our Children wird kritisch hinterfragt, wie nah uns die Dystopie einer verängstigten Gesellschaft schon heute ist und mit welcher Argumentation es Medien, Politikern und Institutionen immer wieder gelingt, sie zu schüren, um unser Verhalten zu manipulieren. Wie viel Angst kann eine Gesellschaft vertragen? Denn eigentlich wollen wir doch nur, dass unsere Kinder eines Tages in einer besseren Welt leben können. Oder steckt mehr dahinter?

21.30-22 INTERNATSSCHLIESSUNG

Das Junge Internat der Künste der Welt schließt seine Türen. Die Schüler des Jungen Internats ziehen ihre Lehren aus den letzten Tagen und machen sich wieder zurück auf den Weg ins „echte“ Leben: Wissen wir nun mehr und - wenn ja - was wird bleiben?