• West-Östlicher Divan

  • Sa, 09.11.2019 ab 20:00 Uhr
  • Hofspielhaus
    Falkenturmstraße 8
    80331 Munich
West-Östlicher Divan - Hofspielhaus - München

Zur Entstehungsgeschichte des „Divan“ gibt es ein Detail, das nicht so bekannt ist: Vom 12. August bis zum 18. September 1815 wohnt Goethe bei dem Ehepaar Willemer, zumeist auf deren Landgut, der Gerbermühle am Main. Der Mann ist ein älterer Bankier, der vor kurzem Marianne, eine lebenssprühende junge Frau geheiratet hat. Es ist eine Reihe von festlichen Tagen für den alten Dichter. Abends singt Marianne zur Gitarre und Goethe liest Liebesgedichte an Jussuf und Suleika vor - das Liebespaar in seiner west-östlicher Liedersammlung, die er indessen fleißig vermehrt. Goethe entgeht es nicht, dass Marianne neben anderen Gaben auch ein poetisches Talent hat. Zwischen den beiden entwickelt sich ein chiffriertes Liebespiel, versteckt in Zitaten des persischen Dichters (vgl. dazu Vollmondnacht). So ergibt sich ein zauberhaftes Geflecht von intimen, wechselseitig aufeinander verweisenden Motiven, die der Freundeskreis nicht entziffern kann. Ein Zwiegespräch, das mit Goethes Rückkehr nach Weimar aufhört. Er muss fliehen. Der Hof und seine Frau Christiane warten auf ihn. Walaa und Wissam Kanaieh lesen gemeinsam mit Lisa Suleimani auf Arabisch aus dem „Sonnengesang des Echnaton“, dem „Gilgamesch-Epos“, dem Buch Jesaja und der Klage um Tammuz. Begleitet werden sie von Maged Kildan am Kanun, dem arabischen Hackbrett und Kildan Maged an der Oud, der arabischen Laute. Christiane Brammer rezitiert die Übersetzung dieser Meisterwerke und liest aus dem Briefwechsel von Goethe und Marianne Wilmer. Cornelia Lanz und Yukiko Naito-Fendrich ergänzen dieses Programm durch ausgewählte Lieder aus diesem Zusammenhang von Schubert, Schumann, Wolff und R. Strauss.