• Jochen Hein - Blau

  • Fr, 25.09.2015 ab 18:00 Uhr
  • Galerie Thomas Fuchs
    Reinsburgstraße 68A
    70178 Stuttgart
Jochen Hein - Blau - Galerie Thomas Fuchs - Stuttgart

Ausstellung "Blau" mit Gemälden von Jochen Hein

Vernissage in Anwesenheit des Künstlers: Freitag, 25.09.2015, 18 bis 22 Uhr

Dauer der Ausstellung: 25.09. bis 31.10.2015

In ruhigen Wellen hebt und senkt sich das Wasser in den Bildern Jochen Heins, während die Sonne glitzernd auf der Meeresoberfläche reflektiert wird. Trügerisch realistisch führt der 1960 in Husum geborene Künstler den Betrachter mit seiner Malerei hinters Licht.

Die Weite des Meeres und die unzähligen Lichtreflexe auf dem blauen Wasser lassen den Blick des Betrachters hin- und herwandern. Das glitzernde Weiß erzeugt ein Flimmern im Auge, ganz so, als würde man sich nur wenige Meter über der Meeresoberfläche befinden. Diese perfekte Illusion trügt aber: Nähert sich der Betrachter dem Bild, wird das Gesehene nicht klarer erkennbar – ganz im Gegenteil, entgegen der Erwartung des Auges löst sich die zuvor naturgetreue Erscheinung des Seestücks, wird unschärfer, bis sie sich völlig auflöst im reinen Malermaterial des Künstlers. Was aus der Distanz fast so realistisch wirkt wie eine Fotografie, löst sich in der Nähe in einzelne Farbspritzer, die mit Leichtigkeit auf die Leinwand aufgebracht zu sein scheinen.

Und tatsächlich sind die Seestücke des in Hamburg lebenden und arbeitenden Künstlers alles andere als das Ergebnis penibelster Detailmalerei. Jochen Hein hat über viele Jahre seine ganz eigene Technik entwickelt, bei der er den Zufall in den Malprozess einbaut. Dabei wird die Leinwand auf den Atelierboden gelegt und die Farbe vom Künstler mit einer Schleuderbewegung der pinselführenden Hand auf dem Bildträger verteilt. Wo genau die einzelnen Spritzer ihre Position auf der Leinwand finden, liegt dabei außerhalb der exakten Steuerungsmöglichkeiten Heins.

Das Entstehen des Bildes ist also nicht einem rein rationalen Akt des Malers geschuldet; vielmehr könnte man von einer Art kontrolliertem Zufall sprechen. Die ARD-Sendung „ttt – titel, thesen, temperamente“ besuchte Hein 2013 für einen Beitrag in seinem Atelier und schaute dem Künstler beim Entstehungsprozess seiner Gemälde über die Schulter ( https://www.youtube.com/watch?v=8XD7166k5Vs ). Im selben Jahr wurden Hein zwei Museumsausstellungen in Klagenfurt und Koblenz gewidmet und eine umfassende Publikation zu seinem Werk erschien bei Hatje Cantz.

Die Seestücke bilden - augenblicklich neben Parklandschaften und Portraits - ein grosses Themenfeld in der Malerei Heins. Es ist der zeitlose Charakter, das Ewige und sich doch ständig Ändernde, was das Meer für Hein so interessant macht. Die Seestücke Heins zeigen alle denselben Gegenstand: die unterschiedlichen Witterungseinflüssen ausgesetzte See. Sie präsentieren so die unglaublichen Variationen von Erscheinungsformen, die das Meer bietet.

Egal ob der Betrachter sich einer sanften, in der Sonne funkelnden oder einer in schäumenden Wogen und mit Gischt spritzenden See gegenüber sieht, immer wird er aus der Distanz von Heins perfekter Illusion verführt, um kurz darauf zu merken, dass er es hier allein mit Farbe auf einem Bildträger zu tun hat. Seine so täuschend echt erscheinenden Seestücke offenbaren ihre faszinierende Wirkung und ihren spannenden Entstehungsprozess erst bei direkter Konfrontation von Betrachter und Gemälde. Es bedarf des Herantretens des Betrachters an den Bildträger, um die zahlreichen übereinandergelegten Malschichten der mit dem Pinsel grob verstrichenen und unbearbeitet auf der Leinwand sitzenden Farbspritzer auszumachen und zu merken, dass man hier einer Täuschung aufgesessen ist.

Hein spielt mit dem Effekt der Nah- und Fernwirkung seiner Gemälde und macht sie so zu einem subtilen Kommentar der Wirkweise der Bildwahrnehmung des Betrachters. Er zeigt die Spannung auf, die zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt.

(Text: Tobias Bednarz)

Öffnungszeiten: Di. - Fr. 13:00 bis 19:00 Uhr Sa. 11:00 bis 16:00 Uhr und nach Vereinbarung